Schlagwort: Gemeinschaft

  • Was wurde aus der Akademie…

    …für angewandtes gutes Leben?

    Meine Erfahrungen mit der „Akademiegemeinschaft“ habe ich 2025 in diesem knapp 60-seitigen PDF (knapp 40 MB mit Bildern und Anhang, Downloadlink) festgehalten.

    Über Kommentare & Rückmeldung per email freue ich mich.

    Viel Freude beim Lesen!

  • MdM6: Lieber Nichts als Nein sagen

    Ein sehr weitverbreitetes Muster des Misslingens: Sich mit seiner Ablehnung, ja vielleicht sogar mit berechtigter Kritik, zurückhalten. Weil es anstrengend werden könnte, sich der daraus resultierenden Auseinandersetzung zu stellen. Oder überhaupt einfach sichtbar zu werden.

    Beispiel:
    A schlägt in einer kleinen Gruppe vor, sich mal ein gern totgeschwiegenes Thema (z.B. eine unbewusste Dynamik) genauer anzuschauen. Statt einem klaren „Ja“ oder „Nein“ folgt nachdenkliches Schweigen, bis hoffentlich von irgendwo ein anderer Impuls herkommt, zu dem mehr positive Energie im Raum entsteht.

    Dabei wäre es so ein hilfreiches Feedback für A zu hören, ob die anderen dafür keine Kapazität haben, es einfach gähnend langweilig finden oder noch voller Erfurcht und Bewunderung staunen, dass sie sich traut so mutig und direkt über ein Tabuthema reden zu wollen.

    Dazu passend: Ein Vortrag von Miki Kashtan, in dem sie erklärt, weshalb es gerade in Entwicklungsgemeinschaften sinnvoll ist, unsere Neins zu ehren und wie kraftvoll und unterstützend es sein kann, uns nicht nur unsere eigenen Neins zuzugestehen, sondern diese auch einander zuzumuten und dann auch andere in ihren Neins zu stützen. Gleichsam ein Akt, auf Grenzen des Organismus hinzuweisen. [Leider finde ich den talk auf die schnelle nicht mehr online.]

  • MdG2: Meine Grenzen achten

    Ein Muster des Gelingens („MdG“), das ich bislang leider nur selten in jungen Gründungsgruppen beobachten konnte, aber sehr bedeutend ist, wenn sie eine regenerative, sozial-nachhaltige Kultur des Wirkens entwickeln möchte: Aufmerksam auf die Grenzen seines eigenen Körpers / Systems achten.

    Ich zitiere Miki Kashtan, die es in ihrem sechsten core-comittment sehr treffend auf den Punkt bringt:

    6. Liebevoller Umgang mit meinen Begrenzungen
    Selbst wenn ich versucht bin, mich zu überlasten (auch bezogen auf eines dieser Commitments), will ich in jedem Moment achtsam gegenüber den Grenzen meiner Möglichkeiten sein. Wenn ich bemerke, dass ich mich unter Druck setze, will ich mir Unterstützung dafür holen, die natürliche Weisheit meines Organismus zu achten und mich nur innerhalb meiner derzeitigen Grenzen herauszufordern, während ich mit der Zeit meine Kapazitäten erweitere

    © 2018 Miki Kashtan • nvc@baynvc.org • www.baynvc.org

    Für jede GFK-interessierte Gruppe eine Lektüre wert: Ihre „core commitments“ auf deutsch.

  • MdM5: Das Bauernopfer

    Manches Mal konnte ich beobachten, wie „die Ohnmächtigen“ einer Gruppe, erst Ruhe geben bzw. sich beteiligten konnten, nachdem „die Mächtigen“ – meist einfache Funktionsrollenträger, wie etwa die Moderation geschlagen wurden.

    Im Schach sind Manöver dieser Art als Bauernopfer bekannt: Ich opfere einen Teil meiner ersten Reihe, die sogenannten einfachen Bauern, zugunsten einer höheren Figur.

    Irritierender Weise erahne ich eine Parallele zu diesem Manöver in einer Gemeinschaftsgruppe, die ich länger begleiten durfte: Manche Gruppenmitglieder waren erst in der Lage sich einzubringen, nachdem die ursprünglich verantwortlichen Vorsitzenden kapituliert haben.

    Dabei vermag ich es gerade nicht ganz einzuschätzen, ob dass dann eine verantwortliche Weise war, die entstandene Lücke zu füllen, oder nur ein niederes Drama oder ein verdeckter Machtkampf, die „Mächtigen“ zu stürzen, um die subjektiv empfundene Ohnmacht zu verringern oder aber auch auf mehr Menschen zu verteilen.

  • Immer Alle zu allem anhören oder Profis entscheiden lassen?

    Miki Kashtan unterscheidet im folgenden 2-minütigen Video kurz und knapp

    • Dialogverfahren, die der Meinungsbildung dienen, von
    • Mediationsformaten zum Wiedergewinnen von Vertrauen in Beziehungen, die von Konflikten geschwächt worden, gegenüber
    • Entscheidungsfindungsprozessen, die darauf angelegt sind, möglichst effizient ein Ergebnis zu erzielen.

    https://drive.google.com/file/d/1D2ZmiGbiv-uwXJDvCAXPC1RMWArIgiWS/view?usp=share_link

    Gerade in Gruppen, die nicht nur zusammen arbeiten sondern auch miteinander wohnen, also etwa Gemeinschaften, ist es wichtig zu erkennen, wann es was braucht. Geht es am Plenumssamstag darum Entscheidungen vorzubereiten, Meinungen zu bilden oder Beziehungsstörungen zu mediieren?

    Je nach dem sind grundverschiedene Methoden und Herangehensweisen zielführend.

  • MdM4: ist das regional-bio-fairtrade-vegan?

    oder auch „unter dem höchsten Anspruch mach ich’s nicht!“

    Eine gute Idee kann ja jede:r haben. Mensch muss da schon die Spätfolgen für die nächsten 5 Jahre und alle Eventualitäten berücksichtigen. Sonst ist das doch viel zu gefährlich, um es auszuprobieren.

    In wie vielen Gremien wurden gute, liebevoll vorbereitete Vorschläge von Besserwisser:innen und den ewig Nörgelnden kaputt getrampelt – in der besten Absicht: Wenn man das so, oder besser noch ganz anders macht, wäre das doch viel besser! Guckt mal, ihr müsst nur diesen Standard berücksichtigen, da noch mal anrufen und dann noch mal bei dem und der anrufen, dann sprechen wir noch mal mit allen darüber, ja?

  • gehen, ohne was zu sagen

    Überfordert vom bunten Treiben? Zu viele Gefühle, Arbeitstreffen, Konflikte oder Missverständnisse?

    Dann nichts wie weg! Aber besser kein Aufsehen erregen und den anderen sagen, an welcher Stelle was überfordernd ist. Besser ist es einfach zu gehen und nach ein paar Monaten heimlich still und leise bekannt zu geben, dass man leider auch nicht wiederkommen kann.

    Wie sonst kannst Du sicherstellen, dass dir niemand bei Seite steht oder möglicherweise nachhaltige Veränderung eintritt?

    Siehe auch https://neu.ideenzentrale.org/mdm6-lieber-nichts-als-nein-sagen/

  • Community Exchange Zeugnisse

    Eine Idee, zu deren Verwirklichung ich noch Unterstützung suche:

    Weltweit gibt es immer mehr Gemeinschaften, Ökodörfer und kleine Aussteigerprojekte, die sich zunehmender Beliebtheit erfreuen (siehe z.B. Eurotopia Verzeichnis). Zugleich gibt es innerhalb dieser Projekte bestimmte Personalbedarfe, die aus dem „freien Arbeitsmarkt“, schwer zu rekrutieren sind. Denn nicht jede/r, der/die in Gemeinschaft leben will, kann das auch.

    Daher scheint es mir eine naheliegende Idee, denjenigen, die bereits eine Gruppe gefunden haben, gleichsam eine Gemeinschaft, die sich für sie verbürgt, unkompliziert Türen zu anderen Gemeinschaften zu öffnen.

    So merke ich zum Beispiel seit ein paar Monaten, dass mir das Leben in einer Großgemeinschaft mit mehr als 50 Genoss:innen nicht mehr taugt. Nun als unbeschriebenes Blatt, mit leeren Händen aus der Fremde an neue, kleinere Hausgemeinschaften oder ähnliche Projekte heranzutreten, wird meinen im Ökodorfaufbau gemachten Erfahrungen der letzten vier Jahre, kaum gerecht.

    Daher die Idee: Wie wäre es ein gemeinschaftsübergreifendes, international verständliches, Zeugnisstandard zu entwerfen, dass Menschen, die gemeinschaftsgetragene Projekte verlassen, mitbekommen und Türen anderorts öffnet?

    Zeugnis-Kategorien könnten sein

    Die key kompetences aus dem erasmus+ youthpass Programm, vgl

    1. Multilingual competence
    2. Personal, social and learning to learn competence
    3. Citizenship competence
    4. Entrepreneurship competence
    5. Cultural awareness and expression competence
    6. Digital competence
    7. Mathematical competence and competence in science, technology and engineering
    8. Literacy competence

    vergleiche „ETS Competence Model for Youth Workers?“

    oder etwas abstrakter, aus „Key competencies in sustainability: a reference framework for academic program development“, Wiek, A., Keeler, L., & Redman, C. (2011). Sustainability Science, 6(2), 203-218. https://doi.org/10.1007/s11625-011-0132-6

    • systems-thinking competence,
    • anticipatory competence
    • normative competence
    • strategic competence

    Kennt wer eine versierte Designerin, die Lust hätte das zu prototypen?

    Ich würde exemplarisch Content für drei Personen und zwei Gemeinschaften, die das als Medium für ein Austauschprogramm mal testen würden, stellen.

    Oder gibt es ein vergleichbares framework bereits?

    Es könnte das Plattformangebot von wechange oder one army in jedem Fall erweitern.