Schlagwort: Gruppendynamik

  • MdM6: Lieber Nichts als Nein sagen

    Ein sehr weitverbreitetes Muster des Misslingens: Sich mit seiner Ablehnung, ja vielleicht sogar mit berechtigter Kritik, zurückhalten. Weil es anstrengend werden könnte, sich der daraus resultierenden Auseinandersetzung zu stellen. Oder überhaupt einfach sichtbar zu werden.

    Beispiel:
    A schlägt in einer kleinen Gruppe vor, sich mal ein gern totgeschwiegenes Thema (z.B. eine unbewusste Dynamik) genauer anzuschauen. Statt einem klaren „Ja“ oder „Nein“ folgt nachdenkliches Schweigen, bis hoffentlich von irgendwo ein anderer Impuls herkommt, zu dem mehr positive Energie im Raum entsteht.

    Dabei wäre es so ein hilfreiches Feedback für A zu hören, ob die anderen dafür keine Kapazität haben, es einfach gähnend langweilig finden oder noch voller Erfurcht und Bewunderung staunen, dass sie sich traut so mutig und direkt über ein Tabuthema reden zu wollen.

    Dazu passend: Ein Vortrag von Miki Kashtan, in dem sie erklärt, weshalb es gerade in Entwicklungsgemeinschaften sinnvoll ist, unsere Neins zu ehren und wie kraftvoll und unterstützend es sein kann, uns nicht nur unsere eigenen Neins zuzugestehen, sondern diese auch einander zuzumuten und dann auch andere in ihren Neins zu stützen. Gleichsam ein Akt, auf Grenzen des Organismus hinzuweisen. [Leider finde ich den talk auf die schnelle nicht mehr online.]

  • MdM5: Das Bauernopfer

    Manches Mal konnte ich beobachten, wie „die Ohnmächtigen“ einer Gruppe, erst Ruhe geben bzw. sich beteiligten konnten, nachdem „die Mächtigen“ – meist einfache Funktionsrollenträger, wie etwa die Moderation geschlagen wurden.

    Im Schach sind Manöver dieser Art als Bauernopfer bekannt: Ich opfere einen Teil meiner ersten Reihe, die sogenannten einfachen Bauern, zugunsten einer höheren Figur.

    Irritierender Weise erahne ich eine Parallele zu diesem Manöver in einer Gemeinschaftsgruppe, die ich länger begleiten durfte: Manche Gruppenmitglieder waren erst in der Lage sich einzubringen, nachdem die ursprünglich verantwortlichen Vorsitzenden kapituliert haben.

    Dabei vermag ich es gerade nicht ganz einzuschätzen, ob dass dann eine verantwortliche Weise war, die entstandene Lücke zu füllen, oder nur ein niederes Drama oder ein verdeckter Machtkampf, die „Mächtigen“ zu stürzen, um die subjektiv empfundene Ohnmacht zu verringern oder aber auch auf mehr Menschen zu verteilen.